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21Vorbereitet für das Fest

 

 

 

Heute hat mich ein Freund gefragt, ob wir schon in den Vorbereitungen für das Fest sind.Ich habe dann wohl keine „deutsche traditionelle“ Antwort gegeben. Ja, unsere Vor-bereitungen an diesen Tagen vor dem Fest sind vielleicht etwas eigenartig:  In etwa so:
Wir stellen uns innerlich darauf ein, dass die Not vor Weihnachten hier noch viele vor unser Klostertor treiben wird. Zum Fest wenigstens eine Kleinigkeit für die Kinder, noch ein bisschen Holz oder einfach noch am Kloster vorbei, um ein wenig Kontakt zu haben. So steht da unser alt bekannter „Lord“ im Korridor. Er ist schlecht angezogen und hat kalt. Aber er ist total zufrieden, dass wir mal seine verlodderten Beine angucken. Vor drei Jahren kam er hier an mit schwarz verbrannten Beinen, weil er betrunken ins Feuer fiel. Dann erfuhren wir seine Story, die er uns vornehm in Englisch erzählte. Seine Trinkerkarriere begann, als er von England zurück musste. Lord erzählt mir genau die erste Begegnung mit uns, das Datum genau, die Uhrzeit, als er hier gelandet ist und wir uns seiner angenommen haben. Drei Zehen musste er lassen, aber sonst ist er – ausser einigen offenen Wunden am Bein – einigermassen aufgepäppelt. Und zu den grossen Festtagen taucht er auf. Ich schenke ihm eine Kerze und einen kleinen Engel. Er weint. Und so versuchen wir, in diesen Tagen der Vorbereitung auf das Fest, wach zu sein für das, was diese Festtage noch mehr an Verzweiflung und Not so zutage befördert. Ich frage mich auch,  ob wir je gut vorbereitet sind auf diese so verlorenen Seelen. Aber das Kind in der Krippe weiss es. Wenigstens  ist unser Lord strahlend mit seiner Kerze und seinem Engel in die Festtage gegangen. Und Abraham hat in seinem Zimmer viele Lichter angezündet und wartet, dass die heilige Familie nun in Betlehem ankommen.

 

21 dezember 2018