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Jugendarbeit

 
Aus unserer Ordensregel:

„die Öffnung unseres Herzens für Gott, die Menschen und die ganze Schöpfung geschieht im gegenwärtigen Augenblick. Hier, im Jetzt und Heute, ereignet sich durch mich Gegenwart Gottes , wird SEINE Liebe sichtbar, wenn ich mich vom Strahl der göttlichen Gnade treffen und jede Begegnung mit dem nächsten zum Ereignis der Liebe werden lasse“…
 
Die Jugendarbeit nimmt einen großen Teil unseres Arbeitsfeldes und somit unseres täglichen Lebens ein. Wir arbeiten mit etlichen Jugendlichen seit über vier Jahren, wo sie noch Kinder waren. Nun ist aus diesen Kontakten eine feste Jugendgruppe gewachsen, die aus über 30 Jugendlichen besteht.
 
Es ist wichtig, dass wir im handfesten Kontakt mit ihnen leben und wissen, was sie fühlen und mit was sie sich beschäftigen. Und es ist wichtig, dass die jungen Menschen eine feste Gruppe haben, wo sie ihre Identität finden können, wo sie sich zugehörig fühlen. Außer dieser Gruppe haben sie keine festen Beziehungsfelder, da sie fast alle ausschließlich „Flüchtlinge“ aus den Bergen sind und so eigentlich ihre Wurzeln in der Heimat in den Bergen verloren haben. Die Gruppe gibt ihnen Halt und Sicherheit und neue Orientierung.
 
Unsere Jugendlichen leben in einer sehr schwierigen Situation: sie sind als erste Generation zwischen ihrer sehr rigiden Tradition, dem „Gesetz der Berge“ (mit Blutrache, Rechtlosigkeit der Mädchen und Frauen usw..) und der neu einbrechenden moderne des Westens völlig hin- und hergerissen bzw. zerrissen… Das bedeutet auch, dass sie die starren Traditionen ihrer Eltern brechen, brechen müssen oder versuchen zu brechen…
Wir müssen hier in den Gruppenstunden sehr sensibel die Themen wie „“Verheiratet-Werden, keine freie Wahl der Mädchen des Ehepartners usw…., keine Gewalt an ihnen , keine Blutrache“…usw… Angehen und bearbeiten. In den Gruppenstunden der Jugendlichen muss eine Wertorientierung stattfinden, denn allein der trügerische Traum vom Reichtum im Westen und Auswandern ist fatal.
 
So versuchen, die Jugendlichen ihre Identität zu finden und hierin ihrem Umfeld ihr Leben zu regeln. Die Jugendgruppe hat sich selbst Regeln gegeben, ein Jugendgericht kann bei Fragen von Moral und Ethik angerufen werden und es tagt auch bei Verstößen gegen die Regeln. Im Jugendparlament werden Ansätze von demokratischen Verhalten und Zivilcourage geübt.
 
Die Jugendlichen kommen oft ins Kloster – auch außerhalb der Gruppenstunden. Sie helfen mit, ratschen einfach, aber packen dann auch mit ihren Problemen aus. Es ist wichtig, dass sie einen Ort haben, wo sie einfach bedingungslos angenommen sind.
 
Wir sind sehr froh, wenn das Jugendzentrum im Kinder- und Jugendhaus dann bezugsfertig ist. Ziel ist, dass die Jugendlichen ihr Jugendzentrum dann einmal in Selbstverwaltung führen. Aber dies ist ein langer Weg. Eigenverantwortung ist für die meisten hier noch ein Fremdwort, aber Schritt für Schritt lernen sie.
 
Unsere Jugendlichen leben in sehr harten Lebenssituationen: Die meisten leben mit sehr vielen Familienmitgliedern auf engstem Raum und die Häuser oder Wohnlöcher sind feucht. Ein eigenes Eckchen, das so notwendig in diesem Alter wäre, gibt es da nicht.
 
Einige sind in Blutrache und haben ständig Angst, dass sie oder ein Mitglied ihrer Familie umgebracht wird. Einige sind in der Situation, wo sie selbst rächen müssten. Wir arbeiten fiebrig, dass dieser innere Zwang von ihnen bewältigt wird und sie genug Kraft und innere Überzeugung entwickeln, dass diese Rache nur die eigene Seele zerstört.
 
Etliche könnten ohne unsere (bzw. eben eure) finanzielle Unterstützung die Schule nicht weitermachen. Vor allem auch für die Mädchen finden wir es sehr wichtig,

dass sie nicht mit 14 Jahren (wie erst diese Woche bei einem Mädchen wieder geschehen) verlobt werden und damit bereits im Hause solange verbleiben müssen, bis dann irgendwann die Hochzeit mit dem Unbekannten (Ehemann) stattfindet.
Aber unsere Jugendlichen sind auch wie alle Jugendlichen auf der Welt:
 
Vor allem – trotz allem Destruktiven um sie rum – lebendig und lebenshungrig (natürlich auch nach Brot hungrig, weil sie oft kaum eine Mahlzeit haben), sie sind neugierig auf die Zukunft und wollen was verändern zum besseren hin. Sei suchen nach Sinn in ihrem Leben und haben die Kraft in sich, die das Gute tun und das Böse ablehnen kann.
 
Und diese Kraft des Guten zu fördern und ihnen selbst entdecken zu helfen, dies sehen wir als große Chance und als unsere wunderbare Aufgabe.
 
Schwester Christina

 

 

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