Demo

12 neuSadi ruft uns

 

 

Sadi ruft uns

Dushe, meine Freundin in der Romasiedlung, kommt am Vormittag und möchte mich sprechen. Sie erzählt, dass Sadi schwer krank ist und nach mir verlangt. Sie sagt, er habe einen ganz furchtbar dicken Bauch und die Beine seien nun auch ganz dick. Sie sagt mir auch noch, dass er nicht mehr rauchen möchte und auch nicht mehr gut atmen kann.
Ich verstehe und weiss, wenn Sadi, der Alteisenhändler, nicht mehr raucht, dann geht es ihm wirklich schlecht. Er kommt vermutlich ins Leberversagen und ich weiss, ich muss sofort hin. Julia fährt mit und wir packen das Nötigste ein. Dann fahren wir in die Siedlung – am wieder steigenden Hochwasser des Sees vorbei. Am Hang in der Romasiedlung wartet Dushe und einige andere Roma. Sie weisen uns sofort einen guten Parkplatz zu. Und dann zieht mich Dushe die steilen Treppen zur Bruchbude von Sadi hoch. Sie hat immer Sorge, dass ich irgendwo rutsche oder stürze und seit Jahren nimmt sie mich dann am Arm und hütet mich wie ihren Augapfel. Wir verstehen uns einfach. Und dann sind wir bei Sadi. Er liegt auf dem Sofa in einem dunklen Wohnloch. Als er mich sieht, wird er sehr lebendig und möchte sofort aufsitzen.

Sein Bauch ist dick: Aszites – Bauchwassersucht. Und die Beinödeme sind auch schon ganz schön heftig. Er atmet nicht gut. Aber er lacht, er lacht und grinst, als er mich sieht und bedankt sich für unser Kommen. Er meint, er brauche eigentlich nichts mehr, er wisse schon, wohin es gehe. Aber er wollte mich einfach nochmal sehen. Dann erzählt er Julia, dass er vor 20 Jahren bei mir duschen durfte, als ich im Friedensdorf oberhalb gelebt habe. Das habe ich längst vergessen, aber er nicht. Ich frage ihn, ob er Schmerzen habe und er meint, er brauche keine Schmerzmittel, nur was zum Atmen. Er hat gewartet, dass ich komme und nun wird er ins Krankenhaus gehen, damit die ihm das Wasser «aus dem Bauch rauslassen», so meinte er. Gestern waren es einige Liter und heute ist alles wieder genauso viel neues Wasser. Ich verstehe und weiss, was das bedeutet. Dann sagt er mir fast ins Ohr, dass er schon gehen könne, er habe eh hier nichts zu knabbern». Und wieder denke ich. «Sie sind gelassen – auch beim Sterben; das Leben hat ihnen nichts geschenkt und so ist auch nichts, was zum Festhalten wäre». Und auch bei Sadi scheint es, als wäre es dann nur ein Hüpfer ins andere Leben. Wir versprechen ihm noch ein Krankenbett und das findet er gut.

12 dez 2022

 

 

 

 

Aktuelles

  • Wie riecht den "Frieden"?

    Wie riecht denn „Frieden“? Liebe Schwestern und Brüder in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, grüss Gott aus unserem Klösterle in weiter lesen
  • Praktikumsfahrt

    Praktikumsfahrt unserer Fachoberschule Im Rahmen einer Praktikumsfahrt unserer Münchner Fachoberschule aus hatten Paul und ich (Emilie), die einzigartige Chance, den weiter lesen
  • Ostergruß 2023

    Armelas Auferstehung Liebe Schwestern und Brüder, auf Ostern hin möchten wir Euch wenigstens einen kleinen Gruss schicken – mit dem weiter lesen
  • Klagelieder

    Klagelieder Liebe Schwestern und Brüder in der Heimat. Der Januar ist fast verflogen, als wäre er ein kurzer, aber eindrücklicher weiter lesen
  • 1

Über uns

  • Informationen zur Arbeit von Schwester Christina   Sie ist bestrebt, Opfer der im Land weit verbreiteten Blutrache zu betreuen. Vor allem weiter lesen
  • Sie wollen uns helfen? Sie wollen uns mit einer Geld- oder Sachspende helfen oder eine Patenschaft übernehmen?        weiter lesen
  • 1

Webseite durchsuchen

Wer ist online?

Aktuell sind 53 Gäste und keine Mitglieder online

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.