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13Die Frage nach der Anbetung

 

 

 

Die Frage nach der Anbetung

Es ist Früh und die Morgendämmerung hat keinen Kampf mit der stürmischen Nacht, die hinter uns liegt. Sie legt sich seelenruhig mit ihren flüchtigen Nebelschwaden über die Gegend und der schwere Sturm schwindet mit den Flügeln der Nacht lautlos. Es ist ruhig und ich habe das Fenster geöffnet. Die Regentropfen hängen glänzend am Kakibaum und unser Rotkehlchen hüpft scheu und fast schwerelos auf einem Ast herum. Noch durchbricht kein Morgenlärm der Menschen den Frieden der Natur.

Ich bete das Invitatorium und rezitiere: «Den Herrn, den König, der kommen wird, kommt wir beten ihn an». Zweimal, dreimal. Dann muss ich einfach innehalten. Tief in mir werde ich gestoppt und ja: angerührt von einem tiefen Staunen, das sich wie von der Natur auf mich übertragen hat. Die Seele hüpft wie das Rotkehlchen, hängt wie der Tautropfen und schwindet ein bisschen mit dem Morgennebel. Irgendwie habe ich wie selbstvergessen die Hände gefaltet, das Gebetbuch fällt mir in den Schoss, ohne dass ich es wirklich wahrnehme.  Die Gedanken sind gewandelt in «etwas» in mir, dass einfach nur SEIN ist - für einen Moment geschenkt, einfach geschenkt. Und tief in mir steigt Ehrfurcht und Dankbarkeit auf und eine Ahnung im Empfinden von Einssein.

Die Kerze flackert auf und ich ertappe mich, wie ich in diesen Moment greifen möchte, aber schon im Ansatz dieses Gedankens ist er verworfen. Es war geschenkt und ist nicht erbetet, geleistet und auch nicht in Besitz zu nehmen.

Die Laudes bete ich dann weiter. Und mir fällt ein, dass vor einigen Wochen eine Freundin die Frage gestellt hat, was für mich Anbetung ist. Ich habe bislang nicht geantwortet. Ich hätte viele «Antworten» dazu gehabt, aber es waren keine. Vielleicht ist das die Antwort?  Vielleicht!

13 dez 2022

 

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