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Nexhmije


Die moderne Sprache würde sagen: sie ist die Heldin des Alltags. Aber so fühlt sie sich nicht. Sie darf nicht fragen, wie sie sich fühlt – die Härte ihres Lebens erlaubt dies nicht. Sie lebt und überlebt – irgendwie. Nexhmije kam vor 16 Jahren mit ihrer schwer epileptischen 8-jährigen Tochter in der Schubkarre hier an. Sie waren bei den ersten, die um Hilfe baten. Die Tochter hatte andauernd schwere Anfälle und hatte noch nicht eine Untersuchung, geschweige denn ein Medikament bekommen. Dann gebar sie ihrem Mann noch zwei Söhne. Aber ihr Mann säuft sich zu Tode, inzwischen ist er ein Wrack und kann sie wenigstens nicht mehr schlagen. Es geht ihm zum Derbarmen schlecht. Wir unterstützen Nexhmije seit wir sie kennen.

 

Vor genau einem Jahr brach dann das Unheil vollends herein: ihr älterer Sohn hängte sich auf. Keiner weiss, warum. Sie trauert seitdem fast verzweifelt. Sie sagte mir vor 6 Wochen, als ich sie traf: «Alahu verzeiht das nicht.» Ich versuchte ihr zu sagen, dass der Schöpfer aller Digne grösser ist, als wir denken. Nun der nächste Schlag: Nexhmije steht vor der Tür. Sie humpelt und dann zeigt sie uns ihr Bein: Sie wurde vor 2 Wochen von einem Auto angefahren, der Fahrer haute ab und liess sie liegen. Das Krankenhaus hat sie heimgeschickt: nichts gebrochen. Das Bein und das Fussgelenk schauen schlimm aus und eine tiefe, schon nekrotische Wunde klafft und gafft uns entgegen. Sie hat starke Schmerzen; sie konnte auch nicht ruhen, da ihre Tochter und ihr nun kranker Mann sie brauchen, wie sie sagt. Ausserdem muss sie ihre Familie irgendwie ernähren. Ich spüre, wie ich wütend werde auf die Schlamperei mit den Patienten, auf die Fahrer, die abhauen und für die es keine Strafverfolgung gibt. Aber das nützt jetzt Nexhmije auch nichts. Sie braucht nicht meine Wut, sondern die Behandlung ihres Beines und vor allem auch Nähe, Trost - wenn man das so überhaupt sagen kann. Wir versorgen sie und sie kann dann auch weinen, reden. Irgendwie schimmert dann in ihren verweinten Augen ein wenig Helligkeit. Sie drückt mir fest die Hand. Und wir geben ihr noch Lebensmittel mit und sagen ihr eine Ladung Holz zum Heizen zu. Eine Kerze für den verstorbenen Sohn lässt sie auch lächeln. Wenigstens eine Kerze kann sie noch für ihn anzünden.

09 dezember 2020

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