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Eindrücke einer Jahrespraktikantin

 

Felicitas, eine ehemalige Jahrespraktikantin in unserem Klösterle in Albanien  ist in ihren Semesterferien wieder einige Wochen in Dobrac und schreibt ihre Eindrücke:

 

15.07.19

HEIMKOMMEN

Seit einer Woche bin ich schon wieder hier, die Zeit fliegt wahnsinnig schnell. Ziemlich genau um diese Zeit vor zwei Jahren haben sich die Schwestern samt Abri und Toni auf den Weg in die Schweiz gemacht und mein Jahr hier in Shkodra war fast zu Ende. Ich weiß noch, dass ich auf dem Heimflug dachte:„Ich will noch gar nicht wieder heim, das Jahr ging viel zu schnell vorüber.“ Und in der Zeit hier habe ich ein zweites Zuhause gefunden. Das gleiche Gefühl hatte ich letztes Jahr, als ich hier zu Besuch war, und auch wieder letzte Woche, als ich ankam – endlich wieder zu Hause.

Im Kloster herrscht jetzt Hochbetrieb, die Kinder haben Ferien und in zwei Wochen geht es los in den Urlaub, bis dahin ist noch viel zu erledigen.

Ab und zu schmiere ich Binden in der Ambulanz, spiele mit Toni oder würfle mit Abri und finde mich langsam wieder in den Alltag hier ein. Diese eine Woche kommt mir gar nicht vor wie eine Woche, mein Zeitgefühl hat sozusagen ausgesetzt – es kommt mir viel länger und ganz selbstverständlich vor, hier zu sein.

Sonntag sind dann Schwester Christina, Lukas und ich Richtung Koplik gefahren, Lavendel pflücken. Ich weiß noch, dass dort vor zwei Jahren alles blau geblüht hat, viele Leute haben erst vor wenigen Jahren angefangen, Lavendel anzubauen. Doch jetzt kriegen sie ihn nicht mehr los und so steht der Lavendel verblüht und ungeerntet auf den Feldern. Auf dem Rückweg gehen wir spontan auf Erkundungstour und kommen an verlassenen Grundstücken und verfallenen Häusern vorbei, an wunderschönen, alten Kastanien und heruntergekommenen Bunkern. Die Natur erobert sich doch immer ihren Platz zurück. Zwischen Felsen, die aussehen wie hingestellt, finden wir wilden Salbei, schlängeln uns im Schritttempo durch die wilde Natur. Atemberaubend – jedes Mal aufs Neue staune ich über die Schönheit Albaniens.

Fast täglich stehen Menschen vor dem Tor und bitten um medizinische Versorgung. Entweder sie kommen gleich hierher oder sie waren bereits im Krankenhaus, wurden falsch versorgt oder wieder heim geschickt. Die medizinische Versorgungslage ist katastrophal, man kann kaum glauben, was die Menschen hier erleben müssen.

Ja, so stehen der Reichtum der Natur und die – materielle – Armut der Menschen in einem krassen Gegensatz. Und hier im Kloster kommt alles zusammen – das Leid und die Freude, gemeinsam beten und beim Fußball jubeln, Menschen mit ihren Sorgen anhören und im Bassin planschen.

Ich bin dankbar, dass ich ein ganzes Jahr hier verbringen und lernen durfte, und immer wieder zurückkehren kann – die Zeit hier ist wie eine Pause von der hektischen Überflussgesellschaft und erdet mich wieder ein bisschen, wenn ich mich verloren fühle in unserer materiell fokussierten Gesellschaft, in unserem Luxus, so fixiert auf uns zu sein und die Augen vor allem Unbequemem verschließen zu können.

So genieße ich dankbar die Tage, die mir hier noch bleiben und versuche, mir etwas von dem hier Erfahrenen mitzunehmen und zu behalten.

Felicitas

 

felicitas

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