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23 1Warten auf  einen Engel

 

 

 

Noch schnell vor dem Fest ein Notfall. Sie tragen einen Dreijährigen herein. Er hat sich den gesamten Unterarm verbrannt. Im Krankenhaus haben sie ihm ohne Schmerzmittel die Haut abgezogen und dann sehr streng die unelastische Binde drauf, dazwischen Watte, die dann in der Wunde verklebt ist. Der Kleine ist ein tapferes Kerlchen. Dann spricht mich der Vater auf Deutsch an. Und erzählt seine Geschichte: sie sind eineinhalb Jahre in Deutschland gewesen. Der Kleine hat schweres Asthma und war deswegen in einer Spezialklinik angemeldet. Dann wurden sie aus Deutschland zurückgeschickt. Vor kurzem erst. Der Vater hat keine Arbeit. Er sagt so nebenbei: „Und nun hat Ormi auch noch Tuberkulose“. Ich stoppe und frage nach, ob ich auch richtig gehört habe. „Ja, es ist Tuberkulose“. Ein bisschen Antibiotika für 10 Tage habe er bekommen, jetzt nichts mehr. Ich wasche und desinfiziere mir erstmal die Hände und atme dreimal tief durch. Tuberkulose…Asthma, jetzt 3.Grades den Unterarm verbrannt, keine Versorgung!! Der Vater weint und fragt mich, ob ich ihn denn nicht nochmal nach Deutschland bringen kann mit seinem Kind.  Ich schüttle den Kopf und kann nichts mehr, als ihn in den Arm nehmen. Dieser Engel kann ich nicht sein. Ich denke an die Heilige Nacht und dass kein Platz in der Herberge war. Kein Platz hier, kein Platz dort. Und wenn ein Mensch nicht mehr weiss, wohin mit seinem kranken Kind. Ich habe nicht viel Zeit zum Grübeln. Da ruft mich Sokol und flüstert mir kaum hörbar zu, dass mich draussen ein Ehepaar dringend sprechen muss, dringend. Ich spüre, dass es wichtig ist und wir bitten sie rein. Den Mann kenne ich. Er nickt und hat Tränen in den Augen. Unweit von uns wohnen sie. Dann ist es auch für mich und uns wie eine Bombe: sie haben drei Kinder; vor kurzem wurde nun beim 13-jährigen Sohn, dann – einige Wochen  später - bei der 17-jährigen Tochter eine erbbedingte Leberzirrhose festgestellt: Tödliche Diagnose. Beim dritten Kind konnten sie die Analysen nicht machen, weil diese 500 Euro kosten und nur in Italien möglich sind. Dort in Italien haben die Ärzte für den Sohn eine Lebertransplantation zugesagt – wann er halt dann an der Reihe ist. Aber sie haben kein Geld mehr für den Flug, auch keines dort fürs Übernachten der Eltern, noch für das Lebensnotwendige. Zu Hause haben sei noch eine pflegebedürftige Oma. Sie sind mehr als am Ende. Als wir ihnen dann etwas finanzielle Hilfe geben, weinen sie nur noch. Sie entschuldigen sich, dass sie Muslime sind. Ich versuche ihnen zu versichern, dass dies für uns nicht wichtig ist. Und ich sage ihnen, dass wir für sie beten. Nochmal schluchzt der Vater und fällt mir in den Arm.  Diese Eltern  sind gezeichnet von dem, was sie erfahren haben. Ich wünsche ihnen den „Melek“ den Schutzengel für ihre Kinder. Wir dürfen sie nicht alleine lassen.


Zu den Hirten in Betlehem kamen Engel. So sind wir Betlehem, Ort des Brotes, denke ich. Wir müssen uns was einfallen lassen, mit Hilfe des Himmels, der ja in der Heiligen Nacht offen ist.

 

23 dezember 2017

 

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