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15Eigentlich haben wir schon zu…

 

 

Ja, heute geht es mir mal wieder so: wir kommen vom Gebet und möchten zum Mittagessen. Da kommt Flutura und sagt, es wäre ein Mann mit gebrochenem Arm draussen. Ich gehe raus und möchte ihm sagen, dass er damit ins Krankenhaus muss. Da schauen mich tiefe klare, aber verzweifelte Augen an und ich habe das „wir sind schon zu“ vergessen. Ich hole Gjin und seine Frau herein ins Kloster. Bevor er durch die Türe geht, sagt er leise: „Schwester, noch nie im Leben habe ich bei der Kirche gebettelt“ Und er weint vor Scham. Ich  kann mir ein bisschen vorstellen, was das für ihn bedeutet und setze mich einfach erstmal zu ihm hin. Dann lasse ich ihn erzählen. Und es kommt ganz schön heftig:


Vor drei Wochen ist er 5 Meter vom Gerüst gefallen. Der Bauunternehmer hat seinen Betrieb (wie viele hier) nicht angemeldet und ist nur darum bemüht, den Verletzten so schnell wie möglich weg zu bringen. Er führt ihn ins Krankenhaus, gibt ihm 2000 Lek (das sind knappe 15 Euro) und ist seitdem nicht wieder aufgetaucht. Gjin hat sich den Oberarmknochen längs schräg durchgebrochen. Er zeigt das Röntgenbild. Die zwei Knochenenden haben keinen Kontakt mehr; es klafft eine Lücke von wenigstens einem Zentimeter. Der Gips ist schwer, aber hilft nicht. Das Krankenhaus in Shkoder hat ihnen gesagt, er braucht dringend eine Operation, aber bevor sie nicht 1.500 Euro hinlegen, brauche er nicht wiederkommen. So sind nun drei Wochen wichtige Zeit vergangen, Gjin hat grosse Schmerzen und ist am Ende. Seine Frau weint und guckt mich einfach nur an. Ihr sind das Elend und der Schock noch ins Gesicht geschrieben.  Gjin sagt: „Wir haben noch kleine Kinder, wir haben sehr spät geheiratet, nur wegen der Kinder muss ich doch wieder arbeiten“.  Dann entschuldigt er sich wieder, dass sie hierhergekommen sind. Ich weiss, dass wir schnell handeln müssen. Zuerst gebe ich ihm Schmerzmittel. Es ist schwierig, hier einen Arzt zu finden, der so einen verpfuschten Patienten übernimmt. Irena hängt sich ans Telefon. Ihre Kontakte zu den Ärzten in Tirana sind inzwischen fast ein Wunder. Durch sie konnten wir sogar von einem Orthopäden drei künstliche Hüftgelenke aushandeln, die wir nicht bezahlen müssen. Sozusagen als „Kundenbonus“. Nun, und für Gjin haben wir Hoffnung. Er kann morgen mit Irena direkt nach Tirana. Nun geht es nur noch um den Preis. Da hoffen wir auch auf ein Wunder.

 

15 dezember 2017

 

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