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7Und immer wieder ein wundersames Lichtlein

 

 

 

Und immer wieder ein wundersames Lichtlein

Die zweite Kerze brennt schon zur Vesper und sie flackert heute für mich eindringlicher als sonst. Sie möchte sich wohl fest in mein Gedächtnis brennen – so scheint es mir zur zweiten Adventswoche hin. In mir wiederholen sich die Momente, die ich nicht so mag, die mir auch mal ein paar schlaflose Stunden bereiten, mich aber auch herausfordern im Vertrauen darauf, dass Gott treu ist und schon sorgt – wenn wir das unsere dazu getan haben. Aber halt diese Momente der Spannung. Und die sehen so aus:

Ich halte das letzte stark wirksame Schmerzmittel in der Hand. Schwester Michaela sagt, dass es derzeit keinerlei Nachschub mehr gibt. Der Patient mit Krebs hat starke Schmerzen; er braucht das Mittel dringend – das Letzte, das wir hier haben. Und ich unterhalte mich in diesen Momenten immer mit Schwester Michaela und sie hört geduldig zu: es sind immer dieselben Fragen, die ich dann meist an mich selber stelle: «Soll ich es rausgeben oder kommt gleich ein noch schwererer Schmerzpatient?» Kann ich was «Leichteres» geben – das wäre dann eigentlich nur eine Beruhigung für uns. Oder sollen wir es einfach nun halt rausgeben? Wie oft ich das Zeug angucke und in der Hand halte, das weiss ich nicht. Dann – eigentlich auch wie immer und doch wieder neu – geht mir ein Ruck durch die Knochen, durch das Herz und dann weiss ich: ich nehme das Medikament und gebe es den Ange-hörigen mit. Kein Zaudern mehr, nichts. Es ist gegeben und ein Mensch kann vielleicht in der Nacht einen erholsameren Schlaf in der letzten Phase seines Lebens haben. Und dann das Wunder, ein neues Lichtlein: Zwei Tage später ruft mich Schwester Michaela und zeigt mir ein in Zeitungspapier eingewickeltes Päckle. Ich gucke sie fragend an und sie mich und meint: «Mach auf!» Ich kann mir gar nichts vorstellen, bin neugierig. Was kann da drin sein?

Angehörige eines ehemaligen Patienten, der in Italien nun gestorben ist, haben uns die übrigen starken Schmerzmittel für unsere Patienten gebracht. Und wir wissen einmal mehr: 
Es ist gesorgt, die Wunder geschehen. Und die zweite Kerze umleuchtet jetzt ganz mild uns und all jene, die da draussen sind.

7 dezember 2025 

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