Der Christbaum – ein Amanet
Der Christbaum – ein Amanet
Pjeter hat es am Sterbebett als seinen letzten Willen hinterlassen. «Amanet» sagt man hier dazu. Amanet nicht zu erfüllen wäre hier fast ein Sakrileg. Und so kommt auch heute Mari, die Witwe und bringt den Christbaum. Sie schlägt ihn selbst – ihr Mann hat es so hinter-assen. Und heuer ist der grüne Held sicher kein Tannenbaum, der unseren manchmal etwas verwöhnten Weihnachtsgefühlen schmeicheln würde. Dieses Naturgewächs hätte vermutlich eher das Zeug dazu, in den Tagen auf das Fest der Liebe hin eine Familienkrise zu entfachen oder er würde als Systemsprenger irgendwo auf einem Hinterhof den Heilig Abend fristen. Ja, die etwas missratene Christbaumtanne mit langen Abständen zwischen den Ästen ist vielleicht nicht gerade die Königin im Walde gewesen. Aber für uns ist sie schön. Sie kommt von Pjeter – sie ist sein Amanet. Sie hat den Widerschein der Ewigkeit nach durchgestandenem Leiden und wir werden sie zum schönsten Christbaum weit und breit herausputzen - mit vielen kleinen Vögelchen, die jedes Jahr mehr werden und in die ich einfach etwas vernarrt bin.


