Die Henne wird nicht gerupft
Die Henne wird nicht gerupft
Wenn es hier Weihnachten wird, dann ist das Federvieh allenthalben dem Kochtopf ausge-liefert. Und wir sind des öfteren Empfänger eines solchen Federviehs.
So auch heute. Eine Patientin sagt uns, dass im Auto ein Weihnachtsgeschenk für uns ist; wir müssten es in jedem Fall nehmen. Sie nimmt nach dem Verbandswechsel eine Freiwillige kurzerhand mit zum Auto und drückt ihr eine quietschlebendige, aufgeregt gackernde Henne in die Hand. Das arme Vieh ist an beiden Füssen zusammengebunden und kopfüber aufge-hängt. Eine schöne weisse Henne. Ermira hält sie etwas verdutzt in den Händen. Ich meine, sie müsste umgedreht werden und Ermira tut das dann sofort. Und die Henne duckt sich in ihren Armen wie um Schutz suchend weg. Dann ist es um die Mitarbeiterin geschehen. Sie sagt zur Henne: «Bist du aber schön. Du wirst nicht im Kochtopf enden!» Da hat sie recht. Ich frage Ermira, ob sie die Henne gerne möchte und sie nickt freudig. Platz hat sie daheim für den Zuwachs. Wir binden sie unter einem Buschen fest und Ermira bringt ihr gleich ein paar Brotkrümel. Das ist der Beginn einer kleinen Liebesgeschichte. Und einen Namen hat das Huhn auch schon. Sie heisst «Lady Dina». Steht ihr gut.


