Die Kleinen und Betlehem
Und wie die Kleinen das mit Betlehem so machen
Unsere Kleinsten wurden im Kinderzentrum auf das Fest mit Geschichten um Maria und Josef auf dem Weg nach Betlehem liebevoll vorbereitet. Die ErzieherInnen haben dann mit der Aufführung eines originellen Krippenspieles einen Volltreffer sowohl bei den Kindern als auch bei den Eltern gelandet. Alle Kids, auch die Zweijährigen, waren in dieses Geschehen rund um die Geburt draussen im Stall eingebunden. Die Kinder fühlten sich sehr frei und nahmen ihre Rollen sehr selbstbewusst wahr. Da war die Kleinstadt Betlehem mit Handwerkern, Händlern, Wächter und einen Haufen kleiner Engel, die extra für die Geburt den Himmel verlassen und sich vor dem Stall niedergelassen hatten. Die Hirten nahmen die Botschaft im Saal wahr und forderten dann die Eltern auf, mit ihnen raus nach Betlehem zu gehen. Es war ein langer, ganz ruhiger und fast frommer Pilgerzug hinaus auf die Terrasse, wo dann das Kind im Stall geboren war. Alle waren in diesen Momenten und Minuten wie in eine andere heile Welt verzaubert. Dann sah ein kleiner putziger Engel seine Mama und die Sehnsucht überfiel ihn wohl. Ein Sprung von der Wolkenkulisse, ein Jauchzer und weg war er – direkt in den Armen der etwas verdutzten Mama. Diesem kleinen Engelchen folgten daraufhin noch drei weitere zauberhafte himmlische Wesen, allerdings schreiend. Um das Ganze himmlische Szenarium nicht in ein völlig irdisches Jammertal abdriften zu lassen, griff ich ein und rief die Mamis mit auf die Himmelswolke als «Mutterengel». Das Krippenspiel war gerettet, sogar bereichert.
Es wäre zu diesen Tagen der Vorbereitung noch eine wichtige Lektion hinzuzufügen: der ausgestiegene Heilige Josef! Dieser Junge war ein vollendeter Josef in seiner Rolle – bis das Unerwartete zwei Tage vor der Aufführung geschah. Ich wurde gebeten, ins Zentrum zu kommen, um mal zu gucken. Ich hörte ein Kind weinen. Gleich beim Eingang sitzt da der Josef und zerrt mit verbissenem Gesicht an seiner Kutte. Er stampft mit dem Fuss, als die Erzieherin beschwichtigend auf ihn einredet. Dann schreit er, kündigt an, dass er schon selbst nach Hause geht und nie mehr hierherkommen wird. Ja, da hat sich gerade ein kindliches Drama ereignet, das wir Erwachsenen im Ausmass der Ernsthaftigkeit vermutlich nicht kapieren. Was war passiert? Zum ersten Mal sollten die Kinder in den Theaterkleidern üben. Als dem Josef ohne vorherige Besichtigung dessen, die Kutte angezogen wurde, dauerte es nur ein paar Sekunden und es brach aus ihm raus: «Ein Kleid ziehe er nie im Leben an. Er sei kein Mädchen und niemals wäre der Josef so rumgelaufen.» Aus, vorbei – dem Josef war es so verleidet, dass die Erzieherin den Vater anrufen musste. Er ging nach Hause und wir hatten Glück, dass er seine Maria nicht auch gleich mitgenommen hat. Und wir Erwachsenen müssen noch viel lernen.



