Demo

23 1Schwanger mit Erlöstsein

 

 

 

Schwanger mit Erlöstsein

Viel habe ich nachgedacht über die Muttergottes und wie das alles war mit dem Engel und dann der Geburt, mit der Flucht und dann bis unters Kreuz. Viel habe ich nachgedacht über die Rolle der Frau bei all dem. Seit meiner Kindheit denke ich nach – und natürlich auch über die Rolle des Josef als Vertreter vielleicht des Archetyps des Vaters…

Und dann ist da eine Frau hier mit demselben Namen der Frau, die den Erlöser trug: MIRA! Sie ist eine Mitarbeiterin. Wir wussten immer, dass sie es nicht leicht hat. Wir begleiten sie, seit vor 20 Jahren ihre kleine Tochter mit vier Jahren an Krebs starb. Sie hat mit ihrem Mann noch drei Söhne. Heuer im Herbst dann, als ich sie zur dreitägigen Fortbildung mit den Erziehern eingeladen habe, kam das ganze Drama raus: Sie käme ja so gerne, aber ihr Mann lasse sie nicht einfach so raus. Sie müsse fragen, bitten. Dann deutete sie an, dass sie nicht alleine nach Shkoder darf, dass er sie ständig überwacht, dass sie um Erlaubnis bitten muss, wenn sie ihre Eltern besucht. Mira sagt stoisch, dass sie noch nie alleine über Nacht war, auch nie bei einer Fortbildung. Sie möchte sehr gerne mitkommen. Und wenn er NEIN sagt, dann käme sie halt nicht. Sie bat und der Göttergatte sagte NEIN. Ich intervenierte und sagte, dass Fortbildung mit zur Arbeit gehöre und er sie gehen lassen muss. Ganz ernsthaft versuchte er mir klarzumachen, dass er das einemal «JA « sagen würde, aber ein andermal so etwas nicht mehr vorkommen dürfe. Mira kam, war aber nicht wirklich da. Und er rief sogar des nachts an, bis Mira - Dank der Hilfe von uns - die Courage hatte, das Handy auszuschalten. Und dann erzählte sie uns allen bei der Fortbildung ihre Leidensgeschichte: vollste Überwachung, Zornausbrüche des Gatten beim Vorfinden von ein wenig Staub im Haus, physische Gewalt ohne Ende usw. Ich ging kurz weg an diesem Abend und weinte. 

Seitdem sprach ich viel mit Mira. Sie muss den Willen aufbringen, sich aus der Opferrolle zu befreien. Es ist uns hier in den Jahren klar geworden, dass sich die Frauen selbst da rausentwickeln müssen. Und es ist schwer, kostet ihnen viel Angstüberwindung, braucht viel Mut und Kraft. Es ist unsere Aufgabe, sie zu bestärken und auch klar zu machen, dass die Männer eigentlich keine Täter sein möchten sondern auch Grenzen brauchen und vor allem: Partnerinnen. Langsam fing Mira an, dies zu internalisieren, ihre Angst und Panik vor dem Mann zu überwinden, ihre Wünsche klarer zu definieren und auch ihre Entscheidungen zu fällen – nicht nur unterwürfig zu betteln. Sie wirkte freier, lachte auch mal und war stolz auf sich. Sie sagte zwischendurch, dass ihr Mann vier Tage schon nicht mehr mit ihr geredet habe. Sie hielt durch, als ich sagte: «Mira, halte das aus. Gut, wenn er einmal nicht redet. Singe ein Lied und lade ihn auf einen Kaffee in die Stadt ein. Schweigen ist heilsam für ihn.» Er fragte sie dann, wer denn hinter ihrer Veränderung stecke. Sie sagte, das sei sie selbst, weil sie was für ihr Leben verstanden habe. Und nun das kleine Weihnachtswunder einer Erlöstheit – wohl für Beide: 

Es war hier Weihnachtsfeier und die Mitarbeiter waren eingeladen. Mira sagte wieder, sie wisse nicht, ob sie kommen dürfe, aber sie werde ihm sagen, dass sie hingeht. Ich bestärkte sie und meinte: «Mira, er wird es aushalten.» 
Und dann kam sie strahlend: Sie erzählte ihrem Mann von der Feier, um dann zu sagen, dass sie teilnehmen wird. Da geschah das Weihnachtswunder:  Er kam ihr zuvor und fragte sie, ob sie gerne gehen möchte. Sie sagte zu ihm: «Ja, ich gehe gerne und ich werde auch gehen.»

Dies sind gewiss erst noch unsichere Schritte zur Befreiung von einer Sklaverei, aber eine Schwangerschaft dauert ja auch 9 Monate. Und es darf vielleicht geschehen, dass sich auch der Mann von Mira zu einem Archetypen Josef entwickelt. 

Und ich habe mich in diesen Tagen, in der Begleitung von Mira, immer wieder mal gefragt, was denn gewesen wäre, wenn die Muttergottes nicht von sich aus dem Engel ihr JA gesagt sondern zuerst den Josef gefragt hätte.

 

23 dezember 2025

 

Wir benutzen Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.