Ana’s Bruder
Ana’s Bruder
Schwester Ana ist zu Besuch bei uns. Sie möchte sich bedanken, weil wir im Krankenhaus interveniert haben. Ihrem Bruder geht es nicht so gut und die ganze Familie ist noch in Schockstarre, aber alle müssen funktionieren. Wir haben in diesen Tagen nach Blut gesucht. Gruppe 0 ist selten, sagen sie im Krankenhaus. Man muss soviel Blut bringen, wie man nimmt. Wir haben zwei Bekannte gefunden, die nun gespendet haben. Eine Konserve hat dann noch eine Cousine gespendet. Der Bruder muss nochmal operiert werden. 3 Tausend Euro für die erste Operation musste schon bezahlt werden. Die Schrauben, die Platten kosten viel, alles andere Unausgesprochene dann halt den Rest. Es wird nicht direkt gesagt; da gibt es Boten innerhalb des Krankenhauses, die dann die Kohle verschieben usw, Die noch aus-stehende OP kostet dann nochmal. Erstmal ist aber der Operationssaal in Reparatur – so hiess es. Man wartet bis…
Die Ärzte rechnen damit, dass der Patient nie wieder arbeiten kann. Es fehlt wohl an einem Knochen des Unterschenkels ein Stück von einigen Zentimetern und angeblich ist die Wirbelsäule auch verschoben. Keiner weiss was Genaues. Röntgenbilder etc. bekommen die Angehörigen bislang nicht ausgehändigt.
Schwester Ana erzählt, dass das Wechseln der Inkontinenzeinlagen jeweils 500 Leke, d.h. etwas über 5 Euro kostet. Alles muss extra bezahlt werden, sonst bleibt der Patient halt in der Pampe liegen. Der Bruder isst und trinkt fast nicht, dass er nicht so viel kostet, sagt Schwester Ana. Dann hat er gestern der Krankenschwester beim Verbandswechsel gesagt, sie solle vorsichtig sein und dafür bekam er so einen Rüffler, dass er nie wieder den Mund aufmachen wird. Seine Kinder sind 9 und 7 Jahre alt. Die Tochter mit 9 hat ihm einen Brief geschrieben, dass er nicht sterben darf.
Wir hoffen das Beste. Die Zeiten für Kranke sind härter als je zuvor. Und ich denke an den kleinen menschlichen Anfang von vorgestern. Ein zu kleiner Tropfen auf einen zu heissen Stein? Aber ein Anfang und ich spüre, dass ich wieder mal sage: «Und jetzt gerade, jetzt erst recht!»


