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13Wir aus der tiefen Provinz

 

 

 

«Wir aus der tiefen Provinz»


So sagt Schwester Michaela, als wir auf dem Heimweg von unseren alljährlich wieder-kehrenden und schon traditionellen Weihnachtseinkäufen in Tirana sind.
Und wir lachen beide. Mit einer langen Liste sind wir – auch wie alljährlich - unterwegs. Das Einkaufszentrum wird von Jahr zu Jahr grösser – für uns aus dem Norden wirkt es schon gigantisch. Und Tausende und Abertausende von Lichterketten überall. Da wir die Autobahngebühren nicht bezahlen wollen, landen wir auf der durchlöcherten «Provinz-strasse» und werden entschleunigt. Die Tausende Lichter bannen die Augen und möchten den Blick von den unzähligen Müllhaufen ablenken. Dann sind wir da und haben uns vorge-nommen, erstmal was schön zu essen, in aller Ruhe den Einkaufszettel durchzugehen und dann zu planen. Da legen wir uns schon selbst das erste Bein. Wir folgen einer Empfehlung von Mitarbeitern und erstehen mit Ach und Krach an der Theke ein Byrek mit Kartoffeln und Schwester Michaela ein Pizzastück mit Pilzen. Wir nehmen unser Essenspaket und verziehen uns ins Restaurant. Ich wähle eine ruhige Ecke mit zwei Partyhockern – so zum Baumeln. Das Essen ist eigentlich kalt und unsere Beine baumeln unter unserem Habit etwas hilflos. Schwester Michaela meint, das sei nun wirklich schräg und es wird ihr schwindelig und ich fiel eh gleich runter. Wir kichern und verziehen uns an einen normalen Tisch. Kurz überlegt Schwester Michaela noch laut, ob wir das Zeug nicht lieber einpacken und daheim dem Hund füttern. Wir entscheiden uns zum Essen. Trinken ist uns zu teuer – Wasser haben wir im Auto. Aber die Liste ist besprochen und wir machen uns geplant planlos auf dem Weg.
Beim Verlassen des Lokals finden wir nicht raus, da es in einem Supermarkt integriert ist. Durch die Kasse lassen sie uns nicht. Es geht ein paar Männern ebenso und sie sprechen uns auf Englisch an. Sie sind aus dem Lager der Muxhahedins. Schwester Michaela findet dann den Ausgang, der eher einem Schlupfloch gleicht.
Und wir sind – wie wir meinen – heuer ziemlich schnell mit unserer Liste durch und finden das Passende für jeden. Das «Aussenrum» blenden wir aus – ich verbiete mir auch zu denken, wie miserabel in dieser Stadt, ein bisschen weiter drüben, die Patienten behandelt werden.
Dann klemmt bei mir ein Nerv und ich humple. Der Supermarkt steht noch auf dem Programm und unterwegs sichtet Schwester Michaela vor der Rolltreppe Massagesessel. Sie empfiehlt mir eine Massage. Ich gucke verdutzt, schiele auf den Preis und lese: 50 Leke für drei Minuten. Drei Sessel – alle leer. Die Kunden haben für so etwas wohl keinen Nerv. Und ich befinde mich im Nu im Sessel, Schwester Michaela hat zwei Taschen bei mir abgestellt und meint: «Drei Minuten – viel länger brauche ich auch nicht.» Dann geht’s los. Ein paar Leute gucken entgeistert: Klosterschwester mit lila Schleier auf Massagesessel! Wohl eine besondere Attraktion, aber ist mir wurscht. Ich geniesse glatt die echt gute Massage und es poltert mir auf den Rücken. Glatt bin ich danach entklemmt! 50 Leke- fast 5o Cent für drei Minuten! Luxus, aber einmal im Jahr! Wird vermutlich nun auch zur vorweihnachtlichen Tradition. Ein Foto gibt es davon nicht.

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