Unsichtbar im Hintergrund
Unsichtbar im Hintergrund
Sie ist unschätzbar, leise wie immer präsent und doch immer woanders, sie ist so selbstverständlich da, wie sie auch wieder verschwindet, um dann im selben Moment dort wieder aufzutauchen, wo sie dringend gebraucht ist. Sie dreht das Rad weiter, wenn Sand im Getriebe ist und fasst in den Dreck, wenn andere längst die Nase rümpfen.
Morgens um 7 Uhr fährt sie in die Stadt, zwischendurch auch mit dem Radl, um auf dem Markt die ersten Schnäppchen zu ergattern. Sie kennt jeden Händler hier und weiss, wenn eine Fuhre von günstigem Mehl kommt, um diese für die Armen zu erstehen. Von jedem Klempner, jedem Automechaniker und Fahrradhändler weiss sie den Namen und bei Kursverfall meldet es ihr der Geldwechsler, bevor sie wechselt.
Vor dem Tor stehen jeden Tag sehr viele Arme, die betteln. Sie kümmert sich, dass es da kein Chaos gibt und schreibt jede Tasche mit Lebensmitteln auf, die sie rausgibt.
Ab und zu gibt sie mir den nötigen Wink, wenn ich undiplomatisch mal wieder meinen Mund nicht halten kann.
Über den Sommer und Herbst hat sie einige hundert Gläser Marmelade eingemacht und heute ist sie in der Küche, um zum Fest die echten Schweizer Mailänderli zu backen (wir in Schwaben sagen ganz banal Budderloibla). Es riecht gut und die zerlaufen im Mund.
Das ist Schwester Michaela. Vielleicht sind es diese Menschen, die unsere oft so kalte und egoistische Welt immer wieder neu reanimieren, und der Pulsschlag der Menschlichkeit und des Miteinander sind. Und ich kann nur eines: ein tiefes DANKE sagen an eine Mitschwester, die mir zum Gottesgeschenk geworden ist.


