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2Kommt, wir gehen nach Bethlehem

eine Weihnachtsgeschichte von Schwester Maria Christina

 

 

V. Der Streit

 

Maria und Josef, der Esel Beno mit dem verletzten Hündchen Belli und der Spinne sind unterwegs. An einer grünen Wiese hält Josef an und Maria steigt vom Eselchen ab.


Josef sagt zu Belli, dem Hündchen: „Pass du gut auf Maria auf, ich gehe eine Quelle suchen und du, Esel, darfst auf der Wiese das frische Gras fressen.“


Belli ist glücklich, dass er auf Maria und das Jesuskind in ihrem Bauch aufpassen darf. Er schwänzelt freudig um Maria herum und bellt schon mal vorsichtshalber ganz gefährlich!


Als Esel Beno den glücklichen Hund sieht, da schmeckt ihm plötzlich das frische grüne Gras nicht mehr, ja, er bekommt sogar Magenweh und er schielt immer wieder zu Maria und dem Hündchen hinüber! Er denkt: „Ich könnte viel besser aufpassen, denn ich bin grösser und überhaupt-  ich bin von Anfang an mit Maria und Josef unterwegs gewesen! Was will denn dieser wilde Hund überhaupt bei uns?“ Er stösst plötzlich ein langes „iiiiiiiiiiiaaaaaaaaaaaaahhhhhhhhhhh“ aus und rennt zu Maria und Belli und stösst Belli mit seinem Hinterbein! „So, jetzt hast du`s…“ Da steht Maria auf und ruft schnell den Esel Beno.


Sie sagt: „Beno, komm zu mir! Das war aber nicht schön von dir… Ich weiss, dass du jetzt ganz fest eifersüchtig geworden bist, aber du hast doch auch eine grosse Aufgabe! Du trägst mich- und Belli bewacht mich. Der Belli kann mich nicht tragen. Aber gemeinsam, jeder mit seiner Aufgabe, da können wir dann gut nach Betlehem kommen, wo ich das Jesuskind, den Friedensfürsten, zur Welt bringen darf! Und Du, das Hündchen und alle, die kommen, sind willkommen! Jeder kann dem göttlichen Kind Freude machen…“


Da kniet sich Beno, der Esel, auf die Vorderbeine und ist ganz rot geworden. Und er bittet Maria und das Hündchen Belli um Vergebung. „Entschuldigung Belli, ich war ganz fest  eifersüchtig, weil du so nahe bei Maria warst, aber das ist Quatsch! Ich will nun umso besser und vorsichtiger Maria tragen und – wenn du müde bist, dann nehme ich dich auch noch auf den Rücken...“  und Beno leckt dem Hündchen ein bisschen die Wunde...
Und dann kommt der Heilige Josef und staunt, dass die drei so glücklich sind miteinander.


 

VI. Das kleine Lämmchen Rosalind

Josef mit der Spinne Frau Fleissig, Maria mit dem Jesuskind unter dem Herzen und der Esel Beno, der Maria trägt und das Hündchen Belli sind schon wieder drei, vier Stunden unterwegs. Beno ist ein bisschen müde, aber er lässt es sich nicht anmerken, dass die Last schwer ist.


Josef ist ein bisschen in Sorge um Maria, die ein wenig blass ist und er noch ein Nachtlager finden muss!


Der Weg ist jetzt ganz schmal geworden und manchmal sehr steil. Viel Dorngestrüpp ist am Wegrand und der Esel muss fest aufpassen, damit er den Schritt sicher setzt. Josef hat ihn am Zügel. Da, bei einer Wegbiegung, sagt Maria, die auf dem Rücken von Beno sitzt:
 „Josef, da bewegt sich was! Da drüben am Felsen“.


Josef stoppt und schaut auch. Belli schnuppert und wedelt aufgeregt mit dem Schwanz. Josef setzt Maria am Wegrand nieder und sagt: „Komm, Belli, wir schauen mal, was da los ist.“ Beno bleibt bei Maria.Nach einiger Zeit kommt der Belli zurück und hinter ihm der Heilige Josef mit einem kleinen Lämmchen auf dem Arm. Das Lamm ist erst geboren worden und kann noch gar nicht richtig  springen! „Das hat sich verlaufen“ sagt Josef und gibt es Maria in den Arm. „Wir können es nicht zurück lassen, sonst gehört es dem Wolf.“  


„O, wir nennen es Rosalind!“ Alle sind einverstanden und Rosalind schmiegt sich ganz fest an Maria und hat nun keine Angst mehr.


Josef schaut ein wenig mit Sorge in die Milchkanne, die nur noch halbvoll ist. Aber Maria sagt: „Josef, es wird noch reichen bis nach Betlehem. Dort können wir dann sicher neue Milch bekommen. Ich kann solange Wasser trinken!“
 Und Belli sagt auch: „Du kannst meine Ration Milch Rosalind geben“  und Beno sagt grosszügig: „Ich bin schon so gross, ich komme mit ein paar Tropfen Wasser am Tag aus und kann den  Tau am Gras trinken.“  
Und Rosalind sagt ganz zittrig: „und ich werde dann in Betlehem das Jesuskind mit meinem Fell wärmen, wenn ihr mich nur mitnehmt und ich nicht alleine hier bleiben muss!“ Und dann schläft Rosalind vor Erschöpfung bei Maria ein.

 

 

VII. Melvin, der kleine Engel

Melvin, ein kleiner Engel im Himmel hat vom lieben GOTT die Aufgabe bekommen, einen Stern zu putzen. Melvin putzt schon sehr lange und ist ein fleissiger Engel. In den letzten Nächten, wenn Melvin auf die Erde schaut, dann denkt er:„Ich glaube, es ist eine ganz wichtige Zeit… die Nächte sind so ein bisschen anders als sonst“ und es ist Melvin, als würde irgend etwas Besonderes und Wichtiges bald geschehen.


Er hat einmal vor Monaten gehört, dass GOTT den Erzengel Gabriel auf die Erde geschickt hat, um den Erlöser und Friedensfürsten, ein Königskind, anzukündigen…


Und er hat auch noch gehört, dass GOTT dem Erzengel aufgetragen hat, er solle zu Maria von Nazareth gehen und sie fragen, ob sie die Mutter GOTTES sein und das Jesuskind empfangen will!


Jetzt schaut Melvin manchmal, wenn er seinen Stern putzt, ganz scheu zur Erde hinunter, ob der Erlöser vielleicht schon da ist! Wie er wohl aussehen wird??? Und ob er im grossen Palast von Herodes zur Welt kommt???
Da sieht er, als die Sterne zu leuchten beginnen, vom Himmel aus, dass ein paar Leute mit einem Esel, einem Hund und einem Lämmchen auf dem Weg sind, es ist der Weg von Nazareth nach Bethlehem! Melvin denkt, dass der Weg gefährlich ist und der Mann, der Josef genannt wird, nur eine kleine Laterne hat. Wie schnell fängt da der Engel Melvin an, seinen Stern noch besser zu putzen und er sagt zu seinem Stern: „Du musst mehr Licht geben, damit die Leute da unten besser den Weg finden. Strahle, Sternchen, strahle für die Menschen…“


Und da strahlt der Stern, weil Melvin fester geputzt hat. Und Melvin sieht und denkt:
„Diese schöne Frau strahlt ja wie mein Stern, ob das Maria ist?“


Und der Engel Melvin fängt zu singen an und probiert schon mal, ob er auch, wie die grossen Engel, das GLORIA IN EXELSIS DEO singen kann, denn die grossen Engel, die üben schon lange für jenen grossen Tag auf der Erde.


Und beim Üben, da putzt der Melvin noch viel schneller seinen Stern, dass er besser leuchten kann…

 

VIII. Der Hirte Isaak

Es ist schon Nacht geworden. Maria und Josef haben erstaunt zum Himmel geschaut und einen kleinen Stern gesehen, der ihnen sehr gut geleuchtet hat.


Und Maria nimmt die Hand von Josef und sagt: „Josef, immer wird GOTT mit SEINEM Licht mit uns sein.“ Josef schaut derweil um sich, denn dringend brauchen sie ein Nachtquartier. Es ist inzwischen ganz dunkel und kalt.
Da – ganz plötzlich zappelt das Lämmchen Rosalind auf dem Arm Marias und ruft laut „mmmääähhh“  – und fort ist es!  Belli, das Hündchen , fetzt ihm nach…


Josef sagt zu Maria, die auf dem Esel Beni reitet: „Wartet da, ich schau, wo Rosalind ist…“ und Josef geht mit der Laterne ab vom Weg, dem Bellen von Belli nach… Nach einigen Minuten ruft Josef: „Maria, komm, komm hierher mit dem Esel…“ und Beni stapft mit Maria los!


Josef kniet in einer Höhle, die auch im Innern eine Wasserquelle hat.  Maria rutscht vom Esel herunter und nähert sich. Da sitzt ein kleiner Junge und weint und friert und hat Angst. Maria kniet zu ihm und nimmt seine kleine Hand. „Wie heisst du denn, Kleiner??“


Da blickt der kleine dunkelhaarige Junge mit ganz braunen Augen auf und sieht Maria und  wie schön und gütig ihr Gesicht ist. Er wischt sich die Tränen mit dem Handrücken vom Gesicht und atmet tief und lächelt ein bisschen. Er zieht sich die alte Mütze vom Kopf und geht auf seine Knie und küsst Maria die Hand und sagt leise: „Ich bin der Hirtenjunge Isaak und das da, das ist mein Lamm. Ich hatte es verloren und dann habe ich mich beim Suchen verirrt. Den ganzen letzten Tag habe ich gesucht und nun ist es plötzlich da! Aber der Oberhirte Michal wird mich schrecklich schimpfen, weil ich die Herde verlassen habe, um mein Lamm zu suchen…ich traue mich nicht mehr zurück…“ und Isak weint wieder. Da nimmt ihn Maria in den Arm und erzählt ihm, wie der Belli das Lamm gefunden hat und Roslind mit ihnen gehen wollte, um dann einmal das Jesuskind zu wärmen, wenn es auf die Welt kommt.

Da schaut Isaak zu Maria und sie lächelt. Isaak sagt: „Nimm mein Lamm mit, ja es soll dein Kindlein wärmen.“ Maria sagt: „Danke, Isaak-  und du gehe ohne Angst zurück zur Herde und sag dem Oberhirten, dass ihr alle in der nächsten Nacht ein grosses Wunder schauen werdet. Und wir werden uns wieder sehen.“


Maria gibt dem Isaak einen Kuss und Isaak geht noch in der Nacht los zurück zur Herde. In seinem Herzen spürt er ein grosses Glück.


Die Sterne am Himmel leuchten so schön, als wäre etwas Besonderes zu erwarten.


Vielleicht hat das Wunder schon ein bisschen angefangen, von dem Maria gesprochen hat,  denn er hat keine Angst mehr vor dem Oberhirten Michal und vor der Nacht. Und traurig ist er auch nicht, weil er sein Lamm verschenkt hat.