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Wo stehen wir, wenn….

Wir haben Besprechung mit Nico, unserem Mitarbeiter. Es geht um die mögliche Beschaffung von Containern für ein paar Familien, deren Häuser durch das Erdbeben zerstört wurden.
Nico mit seiner jungen Familie war nach dem Beben eine Woche bei seiner Mutter im kleinen Häusle, da sie vom wackeligen Hochhaus etwas Abstand suchten. Nach der Besprechung hatten Nico und ich noch eines der scheinbar zufälligen Gespräche, die dann auf einmal zu den wesentlicheren Dingen gehören – geschenkt, ungeplant, nicht machbar – letztlich gesegnet.

Nico erzählt, wie sie in der Nacht raus sind und fragt, wie wir in dieser Katastrophen-Nacht waren und wie wir’s jetzt erleben und ob unser Haus sicher ist. Ich versuche, ihm meinen jetzigen «Zustand» zu vermitteln: Immer noch habe ich zwischendurch das Gefühl, dass die Erde wackelt, bin wacher als normal und es ist mir, als wären die Körperzellen alle noch im Schüttelmodus. Dann fragt er mich nach Angst. Ich muss überlegen. Angst, wie sich Angst sonst anfühlt hatte ich bisher keine. Im Augenblick des Bebens hatte ich gar keine Zeit dazu, da wir zwei behinderte Kids aus den Betten bringen mussten, und, und.

Ich erkläre dann Nico, wie jetzt mein geistiger Zustand ungefähr ist. Das ist so: Seit dem Beben denke und meditiere und praktiziere ich einen Satz völlig neu: «Wir sind in Gottes Hand». Diesen Satz hörte ich oft, sagen wir oft. Aber für mich ist es eine elementare Anfrage an mich geworden: Glaube ich das nun, bin ich in der Tiefe – auch meiner Körperzellen - überzeugt, dass Gott mich trägt, in der Hand hält, wenn die Erde es nicht (mehr) tut?  Erfahrung des Bebens, wenn die Erde nicht mehr trägt, wenn man den Halt verliert. Ich sage zu Nico, dass sich das für mich ganz «nackt im Dasein» anfühlt, aber auch ganz und gar wichtig ist und ich bin noch nicht am Ende.

Nico nickt bedächtig und sagt dann einen Satz: «Ja, der Vogel, der kann wegfliegen, wenn der Ast, auf dem er sitzt, abgesägt wird. Aber wir können nicht fliegen!»

12 dezember 2019

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