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13Der Unfall

 

Ein Mann steht mit seiner Tochter am Tor. Dringend möchte er uns sprechen. Und dann erzählt er: das Eisentor seines Grundstückes ist aus den Schienen gesprungen und es hat seine Frau schwer erwischt: komplizierter Schlüsselbeinbruch, das gesamte Becken wie abgerissen, drei Rippen ab. Sie wird nun, nach 2 Wochen, aus dem Krankenhaus entlassen, aber muss liegen. Sie braucht ein Krankenbett. Unser Krankenbettverleih ist jedoch „bankrott“; wir haben derzeit kein einziges mehr. Dies versuche ich dem Mann und seiner Tochter klar zu machen. Sie schauen mich ungläubig an, die 14jährige Tochter weint. Ich sage, wir werden eine andere Lösung finden, ihre Mutter wird irgendwie gut gelagert, egal mit oder ohne Krankenbett. Dies kann ich versprechen. Sie beruhigt sich.


Es vergehen Stunden, Sr. Michaela richtet ein normales Bett her; ich mache mir Gedanken, wie wir das hinkriegen. Ob sie einen primitiven Flaschenzug  wegen eines Oberschenkelhals-bruches am Bein hat, wird sich rausstellen. Die Patienten bekommen hier mit ein paar Literflaschen mit Wasser einen Zug ans Bein gehängt und werden so nach Hause geschickt. So richtet sich der Knochen dann im Laufe der Zeit mit dem Gewicht ein. Dann komme ich auf die Idee, unsere gute Schwester Gratias in den Bergen anzurufen. Sie ist immer so ein Nothelfer für uns. Und die schickt das Bett gleich mit einem Chauffeur runter. Wie dankbar sind wir. Der Transport klappt; es hat über Nacht auch nicht geschneit. Wir richten Bettzeug, Lagerungshilfen, Shampoo, Creme, Handtücher… alles, was man halt so braucht für eine einigermassen vernünftige Grundpflege. Und so fahre ich raus und die gesamte Familie ist versammelt. Eben ist Milena von der Ambulanz wie ein Sack Mehl abgeladen worden. Ich bin froh, dass ich rechtzeitig da bin und die gute Lagerung der Patientin einigermassen schaffen kann. Es gibt keinen Abschlussbericht, nichts. Der Arzt hat nur gesagt, sie muss noch 8 Wochen flach liegen und das gebrochene Schlüsselbein sei nicht in der richtigen Position, weil es aufeinander geschoben ist, aber das ist halt so.


Ja, das ist halt so…ich kann mich wieder mal nicht damit abfinden und werde dies auch nicht. Morgen gleich werden wir einen Mitarbeiter zum  Arzt schicken….

 

13 dezember 2018