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Kinderlos

Heute scheint es etwas unruhig zu werden. Die Nacht über hat es schon gestürmt, es regnet stark. Und im Korridor stehen da auf einmal zwei fremde Personen. Eine Mutter mit ihrem erwachsenen Sohn. Corona hat uns heute schon seit der Frühe beschäftigt, aber diese beiden haben Corona eher ausgeblendet. Sie haben andere Prioritäten, die sie mehr beanspruchen.

Die etwas barock aussehende Mutter hat entschieden, dass «die Schwester das Wunder wirken muss und wird». Ihr Sohn steht abseits, als sie loslegt: «Also, er wäre jetzt seit 6 Jahren verheiratet und es gibt keine Kinder.» Sie dachten ja, dass es nur an der Braut liegen könnte, aber nun wurde das Unheil bekannt: der Sohn – das heisst, seine Spermien, sind zu «schwach», wie sie sagt. Und dann kübelt sie mir drüber, dass sie genau wisse, dass ich eine gute Medizin für das Kinderkriegen ihres Sohnes habe. Und ich soll jetzt das Zaubermittel rausrücken. Sie wisse aus geheimen Quellen ganz genau, dass ich das Wunderzeug habe oder beschaffen kann. Ich spüre, dass sie völlig aus dem Häuschen ist und dass es für sie kein schlimmeres Unglück gibt, als das ihre mit dem zeugungsunfähigen Sohn. Ich habe kurz den Gedanken, dass bei diesem Desaster jetzt nur noch fehlt, dass sie die Pistole zieht.

Und der Sohn steht wie ein begossener Pudel in der Ecke und senkt den Kopf. Unaufhaltsam hagelt der Wortschwall auf mich nieder: mit meinen Vitaminen erstarke die Manneskraft ihres Sohnes, sagt sie wörtlich. Die Ärzte hier haben zu schwache Vitamine verschrieben, das Rezept habe sie aufbewahrt. Nutzloses gefälschtes Zeug, das viel Geld gekostet hat, meint sie. Ich muss aufpassen, dass ich nicht lache, aber ich merke, dass das verhängnisvoll für mich wäre. Nun kann ich unterbrechen. Ich sage ihr, dass ich das Rezept gerne sehen möchte und wende mich an den Sohn. Ich bitte ihn, mir das Rezept zu bringen und mit seiner Frau zu kommen. Die Mutter sagt, dass sie kommen und alles regeln wird. Ich bestehe darauf, dass sie zu Hause bleibt und der Sohn mit seiner Frau bekommt dann einen Termin von mir, um mit mir zu sprechen. Unmissverständlich mache ich jedoch klar, dass ich keinerlei Medizin zum Kinderkriegen habe. Die Mutter nickt und willigt ein, der Sohn dann auch. So warte ich ab, ob der junge Mann es schafft, ohne seine Mutter zu einem Gespräch zu kommen. Und ich frage mich, ob es denn sein könnte, dass dann ja vielleicht…alles ganz anders ausschaut.

 

 

 

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