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8Noteinsatz aus dem Himmel

 

 

 

Noteinsatz aus dem Himmel


Ich habe nicht gut geschlafen. Diella liegt mir förmlich im Magen, besser gesagt ihre schon jahrelange Weigerung zur Versöhnung des Blutes ihres Mannes. Seit Jahren komme ich zum Nikolausfest und bitte um Versöhnung. Bis jetzt bin ich immer abgeblitzt, zweimal rausgeflogen mit der Drohung, mich sonst ins Jenseits zu befördern. Aber diese Frau lässt mir keine Ruhe und ich bin überzeugt, dass ihre Seele irgendwie erreichbar sein muss. Und so mein menschlicher Einsatz bislang erfolglos war, ziehe ich die letzten Register und wir lassen den Himmel bei Diella aufmarschieren. Pater Axel ist ja als Nikolaus diese Woche im Dauereinsatz und er geht mit zur Rächersfrau. Es wird ernst, wenn der Heilige vom Himmel spricht. Eine Marienfigur packe ich noch in meine Westentasche. So ziehen wir los; Schwester Michaela fährt und wartet im Auto. Ich spüre Nervosität und habe nur ein Stossgebet: «O HERR!» Und – wie schon oft in solchen Augenblicken – überkommt mich plötzlich so ein nagender, blitzschneller Zweifel, ob das wirklich die richtige Entscheidung und Idee war. Was, wenn die Tür nun endgültig zufällt, oder wenn sie jetzt sofort rächt, weil, weil…Der Nikolaus, der neben mir her schreitet, ist sich der Sache sicher. Als wir durchs Eisentor sind, schlägt der Hund an. Gott sei Dank ist er im Zwinger. Dann stehen wir im Hof vor der Frau in Schwarz. Sie schaut mich kühl und misstrauisch an und ich grüss kurz und sage: «Gelobt sei Jesus Christus und gesegnetes Fest. Du weisst Diella, dass ich jedes Jahr komme. Und ich habe heute den Besuch vom Himmel, den heiligen Nikolaus, mitgebracht; er wird sprechen, nicht ich!» Sie nickt etwas sehr verwundert. Und da beginnt der Nikolaus mit tiefer, ernster Stimme. Er sagt ihr, dass er mit einer sehr ernsthaften Botschaft zu ihr kommt, dass diese Botschaft von Gott ist. Dann der knappe, aber trächtige Satz: «Bei der Seele Deines toten Mannes: Versöhne das Blut, Diella! Gott will es.»

In ihrem Gesicht zeigt sich eine Regung von Betroffenheit. Und ich nehme die Muttergottes-figur aus meiner Tasche und sage: «Diella, und die Gottesmutter ist nun mit Dir und jeden Morgen fragt sie dich, ob Du schon versöhnt bist!» Sie macht grosse Augen und möchte uns dann zum Kaffee einladen. Ich sage ihr, dass wir einen Kaffee mit ihr dann trinken, wenn sie bereit ist, das Blut zu versöhnen und wir auf ihre Antwort warten werden. Sie nickt und kommt noch bis zum Tor und ruft mich nochmal zurück. Sie möchte wissen, wer denn dieser Nikolaus ist, welcher Priester. Ich sage: «Der ist vom Himmel geschickt, Diella.»
So hoffen wir und beten wir, dass ihr Herz erreicht wird.

08 dezember 2020

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