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Lebendig sein

Liebe Schwestern und Brüder in der Heimat

Draussen regt sich das Leben. Im schneeweiss blühenden Pflaumenbaum beobachte ich ein tänzelndes Pfauenauge. Wie ein orange-rote gekleideter Ballett-Tänzer scheint mir der erwachte Schmetterling. Wo er wohl überwintert hat, denke ich. Er erzählt mir vom Leben, von Lebensfreude und vom Tanz des Lebens. Der Blütenbaum gibt ihm Schutz und es scheint mir, dass alle Blüten nur darauf warten, ihm den Nektar zu reichen. Der Schmetterling wartet sogar, bis ich das Handy hole und lässt sich fotografieren. Vielleicht weiss er, wie sehr wir in diesen Zeiten Lebensfreude und Hoffnung nötig haben. Er tanzt mir das Leben vor – der Zerstörung trotzend. Er lebt den Augenblick – so scheint es mir. Und er tankt Sonne, Nektar und Leben – für wie lange auch immer. Dies nehme ich mit – ich nehme es auf – als Lebens-zeichen und schicke es an Euch. 
Und nun erzähle ich von hier:

Ja, wir sind betroffen von dem, was in der Welt passiert, von all dem, was ich als Wahnsinn empfinde. So haben wir vor einigen Wochen schon mit unserer «Friedensoase» begonnen. Nichts Grossartiges, aber mit einigen Interessierten treffen wir uns in regelmässigen Abständen per Zoom und reden über das, was uns bewegt. Wir stellen uns Fragen zu Krieg und Frieden und wie wir den «Frieden» nicht vergessen ob all den Hiobsbotschaften. 
Und derweil ist der Winter vorbei, der Frühling hat das Leben wie neu hergezaubert und unser Garten leuchtet in Pastellfarben. Es ist schön. Und Schwester Michaela und ich sind dabei, von einer schweren Virusgrippe zu genesen und sind sehr froh darüber. Über drei Wochen waren wir sehr reduziert, jetzt sind wir sozusagen wieder «zurück auf der Piste». 

Um uns rum, auf politischer Ebene, jagt ein Korruptionsskandal den anderen, von der Opposition so alle 7 bis 10 Tage organisierte Demonstrationen bringen einen grossen Polizeiaufwand nach Tirana, es gibt regelmässig Aufruhr und Aggression. In der Nähe, in einem Dorf am Meer, demonstrieren Bewohner gegen die Enteignung ihrer Grundstücke zugunsten eines grossen Tourismuskomplexes. Auch da kommt es regelmässig zu sinnloser Gewalt. Im Süden ist eine neu gebaute Hauptstrassenachse voll eingebrochen und zusammengestürzt. Die Blockade war immens. Alles scheint sehr desolat. 

Die weltpolitische Lage durch den Irankrieg jetzt, lässt die Leute sorgenvoll Richtung Durres blicken, wo in einem Camp seit Jahren Mitglieder einer iranischen Opposition im politischen Asyl leben. Viele haben Angst vor einem Terroranschlag. Wir beobachten das alles und schliessen auch nicht die Augen, aber wir sind trotzdem ruhig und sind so eine Art «Sicher-heitsfaktor» für die Bewohner um uns rum. Die Gesundheitsversorgung ist jeden Tag noch prekärer; die Patienten kommen in Scharen zu uns. Da ist z.B. ein junger Mann. Durch einen Motorradunfall hat es ihm den gesamten linken Unterschenkel und das Fussgelenk zer-schmettert. Es war ein offener Bruch. Dies ist vor 4 Monaten passiert und nun kam er hier mit total versiffter, klaffender Wunde an. Der Arzt in der Klinik hat die Operation nicht gemacht und gesagt, es müsse erst die Wunde zuheilen. Diese war schwer infiziert, der Eiter lief raus – stinkende Brühe sozusagen. Man hat ihm dann eine viel zu enge Plastikschiene zum Stabilisieren mitgegeben und gesagt, er soll zur Operation wiederkommen, wenn die Wunde zu ist. So landete er nun vor knapp drei Wochen bei uns. Ich sagte ihm, dass ich das nicht draufhabe – ausserdem hatte ich die Grippe. Das war ihm völlig egal. Er setzte sich in den Gang und ging nicht mehr. Der Arzt habe ihn zu uns geschickt, meint er. Und er wisse genau, dass wir jede Wunde mit einer Salbe zukriegen. Meine massivsten Versuche, ihm klarzumachen, dass ich das nicht kann und es nicht geht, haben nichts genutzt. Zum Schluss humpelte er an Krücken in die Ambulanz und ich schaute zu, wie er seinen Lumpen von der Wunde nestelte. Tja, nun war der Ball bei mir. Wunde lag frei, es siffte raus und der junge Mann guckte mich an und meinte: «Da muss jetzt deine Salbe drauf!» Ich schnappte nach Luft und ja: brav tat ich unsere Salbe drauf, legte einen Streifen in die klaffende Wunde, reponierte den runterhängenden Fuss etwas und modellierte die völlig unpassende Schiene so, dass weitere Schäden vermieden werden können. Ich handelte mit ihm dann aus, dass er den Arzt wenigstens konsultierte, sich Antibiotika verordnen liess, ein paar Laborwerte machte und einen Operationstermin verlangte. Das tat er dann auch brav. Nun, inzwischen geht es tatsächlich besser und das Ganze schaut nicht schlecht aus. Und der junge Mann sagt mir jedesmal siegessicher, dass er doch gewusst habe, dass das funktioniert. Ich gebe zu, mir treibt das immer noch den Schweiss auf die Stirn. 

Die häusliche Pflege fordert uns voll, aber es ist ein Segen, dass die Ausgebildeten ihre Arbeit draussen so engagiert und mit dem ganzen Herzblut machen. Hier kommen wirklich jeden Tag Familienangehörige an und zeigen uns fast gruselige Fotos von ihren Kranken. Diese sind in der Regel alle nach einem Krankenhausaufenthalt mit schweren Druckgeschwüren, also mit Dekubitus, der bis auf das Steissbein und die Hüftknochen geht, die Fersen sind in der Regel nekrotisch schwarz. Die Patienten leiden sehr. Bislang konnte ich zweimal die Pflegenden vom Krankenhaus zu einem Meeting einladen und das war gut. Jedoch mache ich mir da keine Illusionen. Es wird sehr lange dauern, bis ein System von Korruption, Vernach-lässigung der Kranken (warum auch immer) und einer mir unerklärlich starken Form von Abstumpfung gegenüber dem Leid und Schmerz des Patienten verändert werden kann. Aber ein Anfang ist gemacht. 

Derweil haben wir mit einem zweiten Fortbildungskurs für die häusliche Pflege begonnen. Irgendwie ist diese Aktivität zu meinem Lieblingskind geworden. Da sind 20 Frauen, die hoch motiviert sind und nur eines wollen: lernen - viel lernen. Ich wollte eigentlich bei 15 Teil-nehmern stoppen, aber es ging einfach nicht. So sind wir nun deren 20. 6 Klosterschwestern und 14 Frauen aus dem Umfeld bis nach Koplik im Norden. Da kommt dann eine Frau auf mich zu und sagt: «Ich wurde ganz jung verheiratet vor 17 Jahren. Ich durfte nie lernen, wollte schon immer zu den Kranken und jetzt darf ich hierherkommen!» Sie strahlt so, dass ich beinahe heule. Und dann küsst sie mir die Hand und sagt: «Danke, danke!» Es ist für sie wie eine Befreiung. Und wie die lernen möchten! Sie möchten so viel wissen. Sie interessieren sich auch für psychosoziale Abläufe, sind einfach neugierig und sagen mir, dass sie sich jedesmal schon auf den nächsten Termin freuen. Unter den Teilnehmerinnen ist auch Klementa. Sie ist nun 34 Jahre alt, verheiratet und hat Kinder. Als sie sich der Gruppe vor-stellte, fingen ein paar zu weinen an. Sie sagte: «Ich bin nun wieder daheim. Hier hat man mich gerettet, hier war ich dann in den Kindergruppen, hier fand ich Zuflucht in meiner Angst. Und nun bin ich hier, um das zurückzugeben, was ich bekommen habe. Mein Leben.» Klementa ist das erste Mädchen, das ich in Blutrache erlebte. Sie war völlig traumatisiert, ihr Bruder in Lebensgefahr, ihr Vater irgendwo in den Wäldern versteckt. Sie schrie nur noch, sie konnte nicht in die Schule, hatte eine Pankattacke nach der anderen. Die Schwestern der Mutter Teresa lieferten sie damals bei mir ab, da sie beim Katechismusunterricht nicht aufmerksam war. Nun, ich erinnere mich, dass sie dann beim ersten Weihnachtsspiel bei uns im Klostergarten die Hauptrolle spielte. Das war der Beginn ihrer Heilung. Und nun hat sie mit unserer Anleitung ihre Oma wunderbar gepflegt und nimmt nun am Pflegekurs teil. Ich bin gespannt auf die Dynamik dieser Gruppe und auf die ersten praktischen Einsätze. Der Bedarf ist immens. 

Im Kinderhaus wuseln die Kleinen und es ist gut, wenn sie nun jeden Tag ins Freie können.

Nach einer aufwändigen Renovierung ist die Terrasse dort jetzt wieder zugänglich und wird nun schön gestaltet. Ein Wasserschaden von aussen hat uns einen Raum gewässert, das Parkett geworfen und dann musste die gesamte Terrasse saniert werden, um weiteres Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Schwester Michaela hat gute Kontakte zu einem Baumeister und konnte mit ihm das alles gut über die Bühne bringen. 

Die Mitarbeiter im Kinderzentrum sind sehr motiviert und kümmern sich sehr um die Kleinen. Derzeit überlegen wir ein kleines Sommertheater mit den Kleinen. Dies soll ein Event werden, das an das erinnert, was uns gegeben ist zu schützen und zu hüten: 

Das Leben! Da kommt mir ein Satz von Abraham in den Sinn, der ja drüben ein freiwilliges Jahr absolviert. Er meinte neulich: «Das Leben ist schön, aber ich meine nicht von aussen, sondern von innen. Wenn man durch viel Schmerz und Schweres ist und Trauriges, dann merkt man erst so von innen, dass das Leben schön ist.» 

Und so wünsche ich uns allen, dass wir das Leben sehen und als wertvoll schützen und dass wir das Leben immer wieder von diesem «Innen» erfahren dürfen. Wir gehen auf Ostern zu, wo das Leben in Ewigkeit gewandelt vor uns steht. Und so wünschen wir Euch noch eine gesegnete Fastenzeit und dann die Erfahrung der Auferstehungsfreude – zum Leben hin. 

Wir danken für all Eure Solidarität, die wir so oft erleben dürfen und sind gerne mit Euch auch im Gebet verbunden. Mit herzlichen Friedensgrüssen

Sr. Christina und Sr. Michaela 


Den Schmetterling könnt Ihr unten fliegen sehen.

schmetterling

Lebendig sein

Liebe Schwestern und Brüder in der Heimat

Draussen regt sich das Leben. Im schneeweiss blühenden Pflaumenbaum beobachte ich ein tänzelndes Pfauenauge. Wie ein orange-rote gekleideter Ballett-Tänzer scheint mir der erwachte Schmetterling. Wo er wohl überwintert hat, denke ich. Er erzählt mir vom Leben, von Lebensfreude und vom Tanz des Lebens. Der Blütenbaum gibt ihm Schutz und es scheint mir, dass alle Blüten nur darauf warten, ihm den Nektar zu reichen. Der Schmetterling wartet sogar, bis ich das Handy hole und lässt sich fotografieren. Vielleicht weiss er, wie sehr wir in diesen Zeiten Lebensfreude und Hoffnung nötig haben. Er tanzt mir das Leben vor – der Zerstörung trotzend. Er lebt den Augenblick – so scheint es mir. Und er tankt Sonne, Nektar und Leben – für wie lange auch immer. Dies nehme ich mit – ich nehme es auf – als Lebens-zeichen und schicke es an Euch.

Und nun erzähle ich von hier:

Ja, wir sind betroffen von dem, was in der Welt passiert, von all dem, was ich als Wahnsinn empfinde. So haben wir vor einigen Wochen schon mit unserer «Friedensoase» begonnen. Nichts Grossartiges, aber mit einigen Interessierten treffen wir uns in regelmässigen Abständen per Zoom und reden über das, was uns bewegt. Wir stellen uns Fragen zu Krieg und Frieden und wie wir den «Frieden» nicht vergessen ob all den Hiobsbotschaften.

Und derweil ist der Winter vorbei, der Frühling hat das Leben wie neu hergezaubert und unser Garten leuchtet in Pastellfarben. Es ist schön. Und Schwester Michaela und ich sind dabei, von einer schweren Virusgrippe zu genesen und sind sehr froh darüber. Über drei Wochen waren wir sehr reduziert, jetzt sind wir sozusagen wieder «zurück auf der Piste».

Um uns rum, auf politischer Ebene, jagt ein Korruptionsskandal den anderen, von der Opposition so alle 7 bis 10 Tage organisierte Demonstrationen bringen einen grossen Polizeiaufwand nach Tirana, es gibt regelmässig Aufruhr und Aggression. In der Nähe, in einem Dorf am Meer, demonstrieren Bewohner gegen die Enteignung ihrer Grundstücke zugunsten eines grossen Tourismuskomplexes. Auch da kommt es regelmässig zu sinnloser Gewalt. Im Süden ist eine neu gebaute Hauptstrassenachse voll eingebrochen und zusammengestürzt. Die Blockade war immens. Alles scheint sehr desolat.

Die weltpolitische Lage durch den Irankrieg jetzt, lässt die Leute sorgenvoll Richtung Durres blicken, wo in einem Camp seit Jahren Mitglieder einer iranischen Opposition im politischen Asyl leben. Viele haben Angst vor einem Terroranschlag. Wir beobachten das alles und schliessen auch nicht die Augen, aber wir sind trotzdem ruhig und sind so eine Art «Sicher-heitsfaktor» für die Bewohner um uns rum. Die Gesundheitsversorgung ist jeden Tag noch prekärer; die Patienten kommen in Scharen zu uns. Da ist z.B. ein junger Mann. Durch einen Motorradunfall hat es ihm den gesamten linken Unterschenkel und das Fussgelenk zer-schmettert. Es war ein offener Bruch. Dies ist vor 4 Monaten passiert und nun kam er hier mit total versiffter, klaffender Wunde an. Der Arzt in der Klinik hat die Operation nicht gemacht und gesagt, es müsse erst die Wunde zuheilen. Diese war schwer infiziert, der Eiter lief raus – stinkende Brühe sozusagen. Man hat ihm dann eine viel zu enge Plastikschiene zum Stabilisieren mitgegeben und gesagt, er soll zur Operation wiederkommen, wenn die Wunde zu ist. So landete er nun vor knapp drei Wochen bei uns. Ich sagte ihm, dass ich das nicht draufhabe – ausserdem hatte ich die Grippe. Das war ihm völlig egal. Er setzte sich in den Gang und ging nicht mehr. Der Arzt habe ihn zu uns geschickt, meint er. Und er wisse genau, dass wir jede Wunde mit einer Salbe zukriegen. Meine massivsten Versuche, ihm klarzumachen, dass ich das nicht kann und es nicht geht, haben nichts genutzt. Zum Schluss humpelte er an Krücken in die Ambulanz und ich schaute zu, wie er seinen Lumpen von der Wunde nestelte. Tja, nun war der Ball bei mir. Wunde lag frei, es siffte raus und der junge Mann guckte mich an und meinte: «Da muss jetzt deine Salbe drauf!» Ich schnappte nach Luft und ja: brav tat ich unsere Salbe drauf, legte einen Streifen in die klaffende Wunde, reponierte den runterhängenden Fuss etwas und modellierte die völlig unpassende Schiene so, dass weitere Schäden vermieden werden können. Ich handelte mit ihm dann aus, dass er den Arzt wenigstens konsultierte, sich Antibiotika verordnen liess, ein paar Laborwerte machte und einen Operationstermin verlangte. Das tat er dann auch brav. Nun, inzwischen geht es tatsächlich besser und das Ganze schaut nicht schlecht aus. Und der junge Mann sagt mir jedesmal siegessicher, dass er doch gewusst habe, dass das funktioniert. Ich gebe zu, mir treibt das immer noch den Schweiss auf die Stirn.

Die häusliche Pflege fordert uns voll, aber es ist ein Segen, dass die Ausgebildeten ihre Arbeit draussen so engagiert und mit dem ganzen Herzblut machen. Hier kommen wirklich jeden Tag Familienangehörige an und zeigen uns fast gruselige Fotos von ihren Kranken. Diese sind in der Regel alle nach einem Krankenhausaufenthalt mit schweren Druckgeschwüren, also mit Dekubitus, der bis auf das Steissbein und die Hüftknochen geht, die Fersen sind in der Regel nekrotisch schwarz. Die Patienten leiden sehr. Bislang konnte ich zweimal die Pflegenden vom Krankenhaus zu einem Meeting einladen und das war gut. Jedoch mache ich mir da keine Illusionen. Es wird sehr lange dauern, bis ein System von Korruption, Vernach-lässigung der Kranken (warum auch immer) und einer mir unerklärlich starken Form von Abstumpfung gegenüber dem Leid und Schmerz des Patienten verändert werden kann. Aber ein Anfang ist gemacht.

Derweil haben wir mit einem zweiten Fortbildungskurs für die häusliche Pflege begonnen. Irgendwie ist diese Aktivität zu meinem Lieblingskind geworden. Da sind 20 Frauen, die hoch motiviert sind und nur eines wollen: lernen - viel lernen. Ich wollte eigentlich bei 15 Teil-nehmern stoppen, aber es ging einfach nicht. So sind wir nun deren 20. 6 Klosterschwestern und 14 Frauen aus dem Umfeld bis nach Koplik im Norden. Da kommt dann eine Frau auf mich zu und sagt: «Ich wurde ganz jung verheiratet vor 17 Jahren. Ich durfte nie lernen, wollte schon immer zu den Kranken und jetzt darf ich hierherkommen!» Sie strahlt so, dass ich beinahe heule. Und dann küsst sie mir die Hand und sagt: «Danke, danke!» Es ist für sie wie eine Befreiung. Und wie die lernen möchten! Sie möchten so viel wissen. Sie interessieren sich auch für psychosoziale Abläufe, sind einfach neugierig und sagen mir, dass sie sich jedesmal schon auf den nächsten Termin freuen. Unter den Teilnehmerinnen ist auch Klementa. Sie ist nun 34 Jahre alt, verheiratet und hat Kinder. Als sie sich der Gruppe vor-stellte, fingen ein paar zu weinen an. Sie sagte: «Ich bin nun wieder daheim. Hier hat man mich gerettet, hier war ich dann in den Kindergruppen, hier fand ich Zuflucht in meiner Angst. Und nun bin ich hier, um das zurückzugeben, was ich bekommen habe. Mein Leben.» Klementa ist das erste Mädchen, das ich in Blutrache erlebte. Sie war völlig traumatisiert, ihr Bruder in Lebensgefahr, ihr Vater irgendwo in den Wäldern versteckt. Sie schrie nur noch, sie konnte nicht in die Schule, hatte eine Pankattacke nach der anderen. Die Schwestern der Mutter Teresa lieferten sie damals bei mir ab, da sie beim Katechismusunterricht nicht aufmerksam war. Nun, ich erinnere mich, dass sie dann beim ersten Weihnachtsspiel bei uns im Klostergarten die Hauptrolle spielte. Das war der Beginn ihrer Heilung. Und nun hat sie mit unserer Anleitung ihre Oma wunderbar gepflegt und nimmt nun am Pflegekurs teil. Ich bin gespannt auf die Dynamik dieser Gruppe und auf die ersten praktischen Einsätze. Der Bedarf ist immens.

Im Kinderhaus wuseln die Kleinen und es ist gut, wenn sie nun jeden Tag ins Freie können.

Nach einer aufwändigen Renovierung ist die Terrasse dort jetzt wieder zugänglich und wird nun schön gestaltet. Ein Wasserschaden von aussen hat uns einen Raum gewässert, das Parkett geworfen und dann musste die gesamte Terrasse saniert werden, um weiteres Eindringen von Regenwasser zu verhindern. Schwester Michaela hat gute Kontakte zu einem Baumeister und konnte mit ihm das alles gut über die Bühne bringen.

Die Mitarbeiter im Kinderzentrum sind sehr motiviert und kümmern sich sehr um die Kleinen. Derzeit überlegen wir ein kleines Sommertheater mit den Kleinen. Dies soll ein Event werden, das an das erinnert, was uns gegeben ist zu schützen und zu hüten:

Das Leben! Da kommt mir ein Satz von Abraham in den Sinn, der ja drüben ein freiwilliges Jahr absolviert. Er meinte neulich: «Das Leben ist schön, aber ich meine nicht von aussen, sondern von innen. Wenn man durch viel Schmerz und Schweres ist und Trauriges, dann merkt man erst so von innen, dass das Leben schön ist.»

Und so wünsche ich uns allen, dass wir das Leben sehen und als wertvoll schützen und dass wir das Leben immer wieder von diesem «Innen» erfahren dürfen. Wir gehen auf Ostern zu, wo das Leben in Ewigkeit gewandelt vor uns steht. Und so wünschen wir Euch noch eine gesegnete Fastenzeit und dann die Erfahrung der Auferstehungsfreude – zum Leben hin.

Wir danken für all Eure Solidarität, die wir so oft erleben dürfen und sind gerne mit Euch auch im Gebet verbunden. Mit herzlichen Friedensgrüssen

Sr. Christina und Sr. Michaela

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