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Meine Lieben in der Heimat,

grüss Gott. Ich möchte mich melden und die Ukraine brennt. Ich möchte fragen, wie es Euch allen geht. Und ich weiss, es ist eine blöde Frage.
Und viele fragen an, wie es uns geht. Deshalb schreibe ich.

Es geht uns gut und gleichzeitig auch schlecht. Wir werde gefragt, wie es Edison, dem Patienten geht. Es geht ihm schlechter und wir haben bislang verzweifelt nach einem Krankenhaus gesucht. Dann haben wir eine Aufnahme erreichen können, diese ist dann schief gegangen. Nun hoffen, wir, dass wir morgen einen klaren Schritt tun können und die Krankenhausübernahme stattfinden kann. Aber wir wissen es nicht wirklich. Dann hatten wir keinen Kilometer weit weg einen Blutrachemord. Ein Vater von vier Kindern ist nun tot. Erstmal konnten wir – für welche Zeit auch immer mindestens von einigen jungen Männern das Versprechen  einholen (per Handschlag), dass sie erstmal nicht wieder rächen.
Und wir denken an die Ukraine, an die russische Bevölkerung auch. Wir haben Bekannte in der Ukraine. Am Donnerstag habe ich noch an einem Zoommeeting teilgenommen mit ukrainischen Teilnehmern. Ein Priester hat uns auf der Flucht im Auto Kontakt gehabt. Das hat mich getroffen.
Wir organisieren nun die Jugendlichen, die Zeichen der Solidarität per Vidoeclips dorthin schicken. Der Priester schrieb, dass sie das sehr brauchen. Und wir bereiten Friedensgebete gerade vor.

Daneben haben die Leute hier Angst. Sie befürchten, dass Serbien, das auf russischer Seite quasi steht, die Situation für eine Besetzung des Kosovo nutzen könnte.  Und sie haben Hamsterkäufe angefangen. Sr. Michaela wollte wie jeden Monatsbeginn  für unsere bedürftigen Familien Mehl bestellen und da war der Markt sozusagen leer. Wir vermuten, dass die Grosshändler das Mehl zurückhalten und es dann verteuert  zu verkaufen. Wir wissen es nicht genau, aber Getreide wird aus Serbien und auch aus Russland importiert.
Und so versuchen wir, mit den Menschen zu sprechen, Panik zu reduzieren. Aber die Angst ist spürbar; der Kosovokrieg  sitzt noch im Nacken.
Und nun schreibt mir unser guter Freund Jan aus Sarajewo dieses Email. Ich habe ihm geschrieben, dass wir kein Mehl bekommen konnten. Und er erlaubt mir, Euch dieses mehr als berührende Email an Euch zu senden.

Ich denke, verlogene Kriegspropaganda ist eines, aber die Solidarität unter den Menschen der Völker ist auch da und zeigt sich in vielerlei Form. Wir müssen sie entdecken und kundtun.
Seid gegrüsst und gesegnet und verbunden im Gebet um den Frieden
Sr. Christina


Und dies ist das Email von Jan:


Liebe Schwester
 
Vielen Dank für deine Zeilen, sie sind mir sehr vertraut.
Es macht mich so traurig was gerade wieder in der Welt geschieht.
Amilas Mama hat gestern auch grosse Mengen Mehl gekauft.
Das letzte Mal war es ihr Papa, welcher in Kriegszeiten 20Kg gekauft hat.
Als Amilas Mama dann zu Hause Brot backen wollte haben sie gemerkt, dass es Gips ist…(Es war damals ihr letztes Geld. Heute lachen sie darüber wie er über den Tisch gezogen wurde).


Die Menschen haben grosse Angst hier. Gerade sprach ich mit einem Freund. Er lebt seit 20 Jahren hier, ist etwas jünger als ich.
Seine Freunde überlegen sich Wohneigentum zu verkaufen, haben Notfallpläne bzgl. einer möglichen Fluchtroute und
vereinzelt kaufen sie Waffen!!!
Auch mein Nachbar, 50 jährig, ehemaliger Soldat im Jugoslawienkrieg hat sich vor ein paar Tagen wieder eine Pistole organisiert.
Amilas Eltern haben ihre Pässe erneuert.
Milorad Dodik, der Präsident der bosnischen Serben unternimmt alles, damit sich die serbische Republik von Bosnien abspalten kann.
Seit ich Bosnien vor 20 Jahren besucht habe war lag nie soviel Spannung in der Luft.
Doch, grundsätzlich wollen die Menschen auch hier keinen Krieg. Sind extrem betroffen von dem was in der Ukraine passiert, weil sie
bestens wissen was Krieg bedeutet.
Ich hoffe, die Dynamik beruhigt sich wieder. Egal ob hier, bei euch oder im Rest der Welt.
Vor ein paar Tagen hatte ich noch Kontakt mit meinem Lehrer der damals die Bosnienreise organisiert hat.
Er hat ein Projekt in der Ukraine, im Westen. Seine Freunde dort haben vor Kriegsausbruch bereits die Koffer gepackt und Geschenke gekauft für die Menschen, bei welchen sie eines tages möglicherweise unterkommen werden. Wie berührend ist das denn.
Bitte melde dich jederzeit, wenn man was für euch tun kann. Auf jeden Fall melde ich mich bald wieder telefonisch bei dir.
Bezüglich der Ukraine fühlt man sich einfach total machtlos. Meine Kollegin aus Kiev lebt in Deutschland und ich habe ihr angeboten, ihre Verwandten zu unterstützen wenn sie in Nöten sind. Mehr kann ich auch nicht mehr machen.
Ich bin froh, dass wir unseren Film bald zu Ende haben. Ich wünsche mir einfach, dass wir damit die Menschen wieder erinnern können,
was die Folgen vom Krieg sind und dass sie sich bewusst werden, dass gerade jetzt wieder tausende Menschen verschwinden und wir dies nie akzeptieren dürfen.
 
Bleibt stark ihr lieben!
Eine Umarmung an alle.
 
Jan und Amila

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