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Ostergrüße aus dem Chaos, aus Armut und Hoffnungslosigkeit...

 

Liebe Schwestern und Brüder in der Heimat, liebe Freunde

Wenn wir nun diese Ostergrüsse an Euch übermitteln, kommen unsere Wünsche aus dem Chaos, aus Armut und Hoffnungslosigkeit der Bevölkerung. Corona und die Folgen der Krise schlagen knallhart ein:

In Schlangen betteln sie nun vor dem Tor –  die vielfache Anzahl als in normalen Armutstagen. Viele haben bereits jetzt ihre Arbeit verloren, Renten wurden nicht ausgezahlt, die Roma können nicht mehr betteln, nicht mehr Alteisen sammeln, die ganz Elenden schaffen es in der einen Stunde die pro Tag für den Einkauf genehmigt ist, nicht mal mehr die Mülltonnen zu räumen. Das erledigen jetzt die wilden Hunde und Ratten umso mehr. Eltern, deren Kinder in Privatschulen sind, können die Schulgelder nicht mehr zahlen, «normal» Kranke werden in den Kliniken und Spitälern nicht mehr aufgenommen.

Eben haben wir miteinander geweint. Ein schwer verbrannter Patient erzählt, dass sein Schwiegersohn mit Krebs im Krankenhaus in Italien ist. Der Mann kann nicht mehr geheilt werden und wurde nun aus dem Krankenhaus geschickt. Wo er nun sterben soll, weiss er nicht. Ein verzweifelter Aufruf seines Schwagers zur Rückführung durch die Botschaft wurde gar nicht beantwortet. Die Frau ist mit ihm in Italien, die zwei Kids gehen mit Abri in dieselbe Schule und leben jetzt bei den Grosseltern. Sie wissen noch gar nicht, dass der Papa sterben wird. Und nun müssen die Schulgelder bezahlt werden – obwohl Unterricht per Internet ist. Ein Schicksal, ein anderes Opfer von Korona, wie so viele hier.

Schwester Michaela fährt noch mit einer bereits abgelaufenen Sondergenehmigung in die Stadt, besorgt das Nötige, teilt Lebensmittel aus, bringt Medikamente, mal einen Rosenkranz und was so helfen kann. Die Kranken schlagen sich noch hierher durch zu uns. Bislang hat die Polizei hier Gnade vor Recht ergehen lassen. Seit gestern sind hier im Wohngebiet nun 11 infizierte Frauen und Männer aus zwei Familien diagnostiziert. Und viele im Umfeld verstehen nur eines davon: «Die sind die Todesbringer, die sind schuld!» Das Chaos nimmt zu, die Panik wächst. Wir versuchen, Kontakt zu halten, zu deeskalieren wo es geht.

Und ich schreibe Euch nun diesen Osterbrief?

Ostern? Weit weg? Oder näher und realer als wir in unserem Gefühlsdurcheinander erfahren können?

Mit dem Osterbild, das Sebastian in der Isolation gezimmert hat, möchte ich unsere Wünsche an Euch, die Ihr drüben in der Krise seid, sagen:

Glauben wir, hoffen wir, lieben wir bis der Stein weggerollt wird
Glauben wir, hoffen wir, lieben wir, bis aus der Nacht das Licht aufbricht
Glauben wir, hoffen wir, lieben wir durch unsere selbst gezimmerten Sicherheiten hindurch zu dem der die heilsame Wahrheit ist  
Glauben wir, hoffen wir, lieben wir durch alle Egoismen hindurch bis  zur Hingabe des Lebens, wie ER es gegeben hat
Glauben,  wir hoffen, wir lieben wir, bis wir in der Tiefe unseres  Abgrundes und im Schatten des Todes IHN, den Auferstandenen neu wahrnehmen und als Erlöste demütig sagen:
« Rabbuni».

Wir wissen uns in diesen Tagen tief mit Euch verbunden.

Gesegnete Kartage, gesegnete  Ostern

Sr. Christina mit Sr. Michaela

ostern 2020